Kelten, Römer, Mönche, Ritter …

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Die Kelten und ihre Götter
Sie haben uns nicht viel aus ihrer Zeit hinterlassen: hier mal einen Granitblock auf einer markanten Anhöhe, der in der Mitte eine gleichmäßige Vertiefung aufweist, dort eine Ansammlung unerklärlicher Mauerreste, die lange Zeit unentdeckt unter einem Acker verborgen lag – oder auch nur ein Name oder ein Fest, dessen Ursprung ihnen zugeschrieben wird. Die Kelten geben uns heute mehr Rätsel auf, als sich Antworten finden lassen. Und jedem Erklärungsversuch steht mindestens ein Gegenargument entgegen. Hätten sie doch nur schon schreiben gekonnt und unsere Sprache beherrscht. Aber so leicht machen sie es uns nicht. Umso mehr ranken sich Mythen und Legenden um ihre Hinterlassenschaften. So zum Beispiel um die Fünferkonstellation des Belchen auf deutscher Seite, des schweizerischen Jurabelchen sowie der drei Belchen auf französischer Seite, des Elsässer Belchen, des Petit und des Grand Ballon.

Augusta Raurica: Besucher im Theater


Foto: Reinhold Wagner

Dass sich auf dem Elsässer Belchen ein Hauptbeobachtungspunkt für den keltischen Sonnenkalender befand, entdeckte erstmals der Lörracher Lehrer Walter Eichin bei seinen Forschungen um das Jahr 1980. Seine Exkursionen und Nachforschungen über die namentlichen Zusammenhänge brachten die Erkenntnis: Vom Elsässer Belchen aus kann und konnte man bei guter Fernsicht im Mittsommer die Sonne über dem Kleinen Belchen, dem Petit Ballon, aufgehen sehen. Dasselbe trifft zur Tag- und Nachtgleiche auf den Belchen im Schwarzwald und mittwinters auf den Jurabelchen zu. Offen bleibt die Bedeutung des Grand Ballon innerhalb dieses Systems. Eines aber scheint unanzweifelbar: Das Volk, das so sehr an die Einflüsse der Götter und der Sonne auf ihr eigenes Leben glaubte, fand auf den Gipfeln dieser markanten Erhebungen die idealen Beobachtungspunkte. Die zu Ehren ihres Sonnengottes „Belenos“ mit den Namen „Belanus“ (für „der Weißhaarige“ oder „der Strahlende“) bezeichneten kahlen Bergkuppen zu allen drei Seiten des Rheinknies wurden zu Kultstätten für Lobpreisungen und Naturfeste.

Wer aber war dieses Volk? Die Einwanderer nannten sich Rauriker und waren vom Stamm der Helvetier. Jahrhunderte, bevor die Christen ihren religiösen Siegeszug durch das Land starteten, waren sie die ersten im Südschwarzwald ansässigen Gottesanbeter. Den blanken Rundrücken mit der grandiosen Aussicht zwischen Feldberg und Blauen rückten sie in den Mittelpunkt des ganzen Südschwarzwalds. Als heiliger Sonnenberg wurde der Belchen zum Zentrum ihrer heidnischen Bräuche. Und noch heute findet an seinen Flanken alljährlich im Anschluss an die Fasnacht das bekannte Scheibenschlagen statt. Dabei werden brennende Holzscheite aus dem nächtlichen Funkenfeuer über ein Brett geschlagen und fliegen weit über die steilen Hänge ins Tal hinab. Der Flugscheibe wird hoffnungsvoll ein Wunsch hinterhergeschickt. Ähnlich verhält es sich mit dem Sprung junger Pärchen durchs Johannisfeuer in der Nacht auf den 24. Juni. Hand in Hand soll der gemeinsame Sprung den Wünschen der Verliebten Kraft und Dauerhaftigkeit verleihen. Ins Tal rollende Feuerräder und brennende Strohpuppen haben ihren Ursprung ebenso in der keltischen Vergangenheit. Und wer kennt nicht die größte Furcht der Gallier aus den berühmten Comics mit den Figuren Asterix und Obelix? Die linksrheinischen Kelten lebten stets in der Angst, der Himmel könnte über ihren Köpfen einstürzen. So erklärt es sich, dass die Kelten alles daran setzten, die Götter stets milde zu stimmen und bei Laune zu halten. Und während nun manche Altertumsforscher in Felsmulden und Vertiefungen im Gestein Opfertische, Altäre oder Überreste von Tempelanlagen wiedererkennen wollen, sehen Wissenschaftler darin oft lediglich die Spuren natürlicher Verwitterungsvorgänge und Gletscherschliffe.

Einer, der die Magie vieler mystischer Orte und Landschaften im Schwarzwald immer wieder gerne aufleben lässt, ist der Autor, Keltenforscher, Bibliothekar und Musiker Roland Kroell. Er lebt in Laufenburg und beschäftigt sich seit mehr als 25 Jahren mit der keltischen Kultur am Oberrhein. Regelmäßig gibt er Führungen und Seminare, bietet themenbezogene Wanderungen an und füllt seitenweise Bücher und Hörbücher mit seinen gesammelten Erkenntnissen. Zu seinen favorisierten Orten zählen die Siebenfelsen im Yachtal nahe Elzach, turmartig gestapelte steinerne „Wollsäcke“, in denen sich mit etwas Fantasie ein Kopf und ein Gesicht erkennen lässt. Das Kuriose: auch dieses Gebiet rund um den Siebenfelsen nennt sich „Belchwald“.

Über den Belchen selbst schreibt Kroell: „Hier sind wir dem Licht näher gekommen. Über uns der blaue Himmel, das strahlende Gold der Sonne, eine Hochzeit von Belen und Belena, dem keltischen Götterpaar, das sich hier immer wieder neu das ‚Ja-Wort’ gibt.“ Auf dem Blauen befinden sich Reste einer keltischen Ringanlage. Und vom Mont St. Michel in den Vogesen und seiner näheren Umgebung weiß Kroell zu berichten: „Auf einer kleinen Anhöhe schimmern 30 kreisrunde Schalen von bis zu einem Meter Durchmesser. Das Wort ‚Stampflöcher’ soll daher stammen, dass im dreißigjährigen Krieg hier Menschen in Not Getreide zerstoßen haben.“ In der Feenhöhle, im Volksmund als „Grottes des sorcières“, Hexenhöhle, bezeichnet, befindet sich eine sargähnliche Vertiefung. Dazu Kroell: „Der ganze Platz mutet wie eine alte Einweihungshöhle an, wo in früheren Zeiten Initiationen stattfanden, bevor die christlichen Eroberer das verboten haben. Möglicherweise haben bereits die Kelten hier ihre Kulte zu Ehren der drei Bethen gefeiert. Oberhalb der Höhle ist im Sandstein eine kreisrunde Vertiefung auszumachen, die als ‚Hexenschule’ bezeichnet wird.“
Der Keltenexperte kennt noch eine ganze Reihe weiterer Mysterien-Stätte in den Vogesen und im Schwarzwald. Über die Felsformation „Reinholtsstein“ berichtet Kroell: „Sie wird auch Ringfelsen genannt wegen der eisernen Ringe, die sich am Felsen befinden. Es gibt Sagen, die noch an die Zeit erinnern, wo die Berge von Vogesen und Schwarzwald von einem Meer umspült wurden. Der Taennchel diente als Hafen für die ankommenden Schiffe, die dann an den eisernen Ringen festgemacht wurden.“Artikel von Reinhold Wagner

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Römer, Mönche, Mittelalter
Rebterrassen in der Ortenau, am Kaiserstuhl, im Breisgau und Markgräflerland, der Wein als Genussmittel, Teppiche von Immergrün an Burgruinen und in alten Gärten, Mauerreste einer Therme in Badenweiler oder kanalisierte Pflastersteinstraßen entlang des alten Limes: die Römer wussten schon seit jeher, das Leben zu genießen und sich den Alltag durch allerlei nützliche Dinge zu erleichtern. Bezeichnungen wie Tepidarium, Caldarium und Sanarium zeugen in der modernen Bäder- und Wellness-Landschaft noch heute vom starken Einfluss der Römer auf die hiesige Bevölkerung.

In Badenweiler kann die am besten erhaltene Badruine aus jener Zeit unter einem Glasdach ganzjährig und bei jedem Wetter besichtigt werden. Ein Bad danach in der Römisch-Irischen Cassiopeia Therme gleich nebenan rundet das Erlebnis stilecht ab. In Rottweil, der ältesten Stadt Baden-Württembergs, kann man heute noch den Spuren des Limes folgen. Und in Augst bei Basel finden jährlich zahlreiche Veranstaltungen in der Augusta Raurica statt, einem antiken römischen Amphitheater. Im Sommer 2008 kamen sogar Tänzer und Musiker aus ganz Italien, um dort ihr erstes „Taranta Festa“ zu feiern, ein Festival zu Ehren der Tarantella. Am 28. und 29. August findet dort wieder das größte Römerfest der Schweiz statt. Rom zu Ehren hat der Europa-Park in Rust erst vor wenigen Jahren sein 4-Sterne-Superior Erlebnishotel „Colosseo“ eröffnet – natürlich mit einer maßstabsgetreuen Nachbildung des berühmten Colosseums von Rom. Das Archäologische Museum Colombischlössle in Freiburg führt die Besucher in wechselnden, von aufwändigen Inszenierungen begleiteten, Ausstellungen von der Altsteinzeit über die keltische und römische Zeit bis hin zur alamannischen Zeit des Frühmittelalters. Hier erfährt der Besucher auch, wann es mit der römischen Invasion zu Ende ging: „Um das Jahr 260 zogen sich die Römer unter dem Ansturm der Alamannen über den Rhein zurück.“
Die Alamannen, sie waren also die Nachfolger der Römer in der Besiedlung des südlichen Oberrheins im 4. und 5. Jahrhundert nach Christus. Ihnen wurde jüngst im Jahr 2009 ein eigenes Museum errichtet, das Alamannen-Museum in Vörstetten im Breisgau. Das Besondere an den Überlieferungen aus der Zeit der Alamannen ist, dass diese aus unterschiedlichen Regionen eingewanderten Germanenstämme selbst noch gar nicht des Schreibens mächtig waren. Alles, was wir über sie wissen, verdanken wir den Aufzeichnungen der Römer – und den Ausgrabungsfunden, die gemacht wurden. In mit Schilf bedeckten Häusern aus Holz, Lehm und Kalk sollen sie gehaust haben. Gundomad war ihr König, der in Vörstetten seinen Sitz gehabt haben soll. Und von den Römern sollen sie Einiges gelernt und übernommen haben, was das Leben leichter und angenehmer machte: von der Gartenkultur und dem Ackerbau über die Küche bis hin zum Straßenbau.

Was lange Zeit nur von wenigen beherrscht und weiterentwickelt wurde, das waren die Künste des Bierbrauens und des Weinbaus. Hier hatten stets die Mönche in den Klöstern die Nase vorn. Und sie waren es auch, die mit ihrem Holzverbrauch und ihrem Klosterbau dafür sorgten, dass die zum größten Teil dicht bewaldeten Hügel und Gipfel des Schwarzwalds immer lichter wurden. Nur von wenigen Gipfeln, wie dem Feldberg, ist heute bekannt, dass sie wohl schon immer baumfrei waren. Glashütten, Köhlerei und Holzwirtschaft trugen das ihre dazu bei, dass vom Schwarzwald eine Zeit lang nicht mehr viel übrig war. An die Stelle dichten Waldes traten Siedlungen, Ackerbau und Weinbau, aber auch erste Streuobstwiesen, Honig liefernde Heiden und Weideland. Schwarzwälder Honig, Speck und Kirschwasser – es gäbe sie alle nicht, wenn die Menschen sich nicht in ihrer entstandenen Holznot anderen Wirtschaftszweigen zugewandt hätten.

Freilichtmuseum Neuhausen ob Eck: Dorfbrunnen im Albdorf

Foto: Reinhold Wagner

Wie eine Siedlung im Mittelalter ausgesehen haben muss, und vor allem, mit welchen Mitteln sie errichtet wurde, das lässt sich heute in Osterburken nahe Heilbronn bestaunen und live miterleben. Dort entsteht unter den fleißigen Händen zahlreicher Handwerker und Helfer in jahrelanger Arbeit das „Adventon“, eine Stadtgründung nach altem Vorbild. Und das allein unter Zuhilfenahme traditioneller Werkzeuge und Materialien. Ganz andere, jeweils kleinräumlich aber sehr spezifische Siedlungstypen findet man in den Heuhüttentälern entlang der Murg im Schwarzwald vor, in den steinzeitlichen Pfahlbauten am Bodensee oder in den Freilichtmuseen Neuhausen ob Eck und den Gutacher Vogtsbauernhöfen. Viele noch gut erhaltene Schlösser und Burgen aus dem Mittelalter findet man an den Randzonen des Schwarzwalds, so zum Beispiel in Rastatt und Baden-Baden, auf der Bühlerhöhe und bei Ortenberg, Oberkirch, Waldkirch und Sexau, Staufen, Lörrach und Rötteln, aber auch auf der Schwarzwald-Ostseite bei Neuenbürg, Altensteig, Hohenzollern, Horb, Hornberg, Triberg und im gesamten Hegau. Daneben die berühmten Klosteranlagen in Hirsau, Allerheiligen, Alpirsbach, Bad Säckingen, Sankt Blasien und Maulbronn. An einigen Orten gibt es regelmäßig Rittermahle, Kostproben aus der mittelalterlichen Klosterküche; Konzerte und Ausstellungen oder Burgfeste und mittelalterliche Jahrmärkte zu erleben. Die Nachfahren der ersten Siedler geben sich alle Mühe, deren Wissen, Können und Traditionen aufrecht zu erhalten.

Autor: Reinhold Wagner

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