Am Saum des südlichen Schwarzwalds

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Waldshut/Tiengen/Bad Säckingen
Weiter am Hochrhein entlang besuchen wir die alten Städte Waldshut und Bad Säckingen, alle sehr gut erhalten und für Touristen mit heutigen Ansprüchen bestens gerüstet. Der Zusammenschluss von Tiengen und Waldshut, 1975 im Zuge der baden-württembergischen Verwaltungsreform erfolgt, macht die Doppelstadt zu einem Zentrum am Hochrhein, einem Verkehrsknotenpunkt zwischen Konstanz und Basel, Zürich und Stuttgart. Von hier aus bieten sich Verkehrsverbindungen in alle Richtungen des Dreiecklands, wo sich die Schweiz, Frankreich und Deutschland berühren, an Lebensart überschneiden. Die beiden mittelalterlichen Stadtkerne von Waldshut-Tiengen liegen acht Kilometer voneinander entfernt. Waldshut erhielt seinen Namen von den Habsburgern, die die Stadt im 13. Jahrhundert zur „Hut des Waldes“ und als Zentrum einer Vogtei erbauten, deren Einflussgebiet bis St. Blasien reichte. Die weitaus ältere Stadt ist Tiengen, bereits 858 urkundlich erwähnt als alemannisches Dorf und Marktplatz der Herren von Krenkingen. Nördlich von Tiengen mit seinen malerischen Gassen befindet sich der Klettgau, wo außergewöhnliche archäologische Funde gemacht wurden, die im Klettgau-Museum, dem Schloss der Fürsten von Schwarzenberg, zu besichtigen sind. Gleich nebenan lohnt ein Blick in die vom Vorarlberger Barockbaumeister Peter Thumb entworfene Schlosskirche St. Maria. Einladend und als Hauptschlagader stadtprägend ist in Waldshut die Kaiserstraße mit ihren zahlreichen historischen Bauten, erinnernd an den Glanz und die Betriebsamkeit des einstigen Zentrums vorderösterreichischer Herrschaft. Darunter das 1726 errichtete Rathaus und ein spätgotisches Steinhaus, Alte Metzig genannt, das heute als Stadtmuseum dient. Wie immer in alten Städten ist es wichtig, Geschichte und Gegenwart in Einklang zu bringen. Eine auffallende Menge historischer und moderner Skulpturen lässt ernste und heitere Betrachtungen zu. Fünfzehn Kapellen markieren den Weg durch die mehr als zehn Ortsteile von Waldshut-Tiengen, die landschaftliche Schönheit der Umgebung. Besondere kulturelle Angebote sind der Tiengener Jazz-Sommer und die Waldshuter Filmnächte. Ausgiebiges Feiern von Festen hat hier Tradition, Höhepunkte historischer Festlichkeiten sind der Tiengener „Schwyzer­tag“ am ersten Wochenende im Juli und die Waldshuter „Chilbi“ am dritten Wochenende im August. Als 1468 die Schweizer fünf Wochen lang Waldshut belagerten, sollen der Legende nach die Junggesellen auf die Idee gekommen sein, den letzten Schafsbock zu mästen, über die Stadtmauer spazieren zu führen und damit vorzutäuschen, die Stadt habe noch reichlich Vorräte. So erinnert die „Waldshuter Chibli“ bis heute an den friedlichen Ausgang der Belagerung.

Etwas weiter westlich am Hochrhein liegt Bad Säckingen. Für alle Zeiten ist der Name der Stadt untrennbar mit einem gewissen Trompeter verbunden. Dazu beigetragen hat auch Joseph Victor von Scheffel mit seinem Versepos „Der Trompeter von Säckingen“, basierend auf einer wahren Liebesgeschichte zwsichen dem mittellosen Bürgerssohn Franz Werner Kirchhofer und der Freiherren-Tochter Maria Ursula. Wie überliefert ist, verschickte der Schlossherr vom Schönauerhof, der aus Eifersucht die Romanze verhindern wollte, seine Tochter an den Wiener Hof. Das tat jedoch der Liebe keinen Abbruch, der Trompeter folgte der Geliebten gegen das Verbot nach Wien. Als sich dann beide vor dem Stephansdom, nach dem Hochamt und dem Auszug der kaiserlichen Entourage, von Angesicht zu Angesicht gegenüberstanden, fiel die Geliebte in Ohnmacht, wodurch alles ans Licht kam. Doch der Kaiser war den beiden Liebenden gewogen und ernannte den Trompeter zum Hofkapellmeister. Dass es das letztendlich glückliche Paar tatsächlich gegeben hat, beweist ein Grabstein, der in einer Außennische des Säckinger Friedolinsmünsters zu finden ist. Man sollte nicht versäumen, hineinzugehen, alleine das verspielte Rokokogewölbe ist es wert. Gleich um die Ecke liegt verwunschen das Schloss Schönau, inmitten eines alten Parks.

Neben dem Friedolinsmünster mit seinen beiden sechzig Meter hohen, barocken Zwiebeltürmen ist es die zweihundert Meter lange, überdachte Brücke über den Rhein, die das Bild der Stadt prägt. Es ist die längste ihrer Art in Europa, von hier aus bietet sich ein schöner Blick auf die malerische Altstadt. Die Geschichte von Bad Säckingen geht bis ins 3. Jahrhundert zurück, als die Alemannen die Gebiete der hiesigen Rheinseite besiedelten. Wer den Spuren der Historie folgen möchte, kann sich am Abend dem örtlichen Nachtwächter anschließen, der mit seinen Anekdoten aus früheren Jahrhunderten durch die stimmungsvolle Alststadt streift. Die Angebote einzukehren sind hier äußerst verlockend. Die Anzahl von Lokalen und Gasthäusern lässt dem Besucher die Qual der Wahl. Passend zum südlichen Flair der Stadt gibt es auch auffallend viele italienische Restaurants. Für den kleineren Hunger bieten sich ein hauchdünner elsässischer Flammkuchen, Schwarzwälder Schinken oder deftige Brägele an, wie die alemannischen Bratkartoffeln heißen. Die köstlich zubereiteten Bodenseefelchen oder badische Leberle sind Träume für sich.

Bad Säckingen ist auch, wie der Name schon sagt, eine Stadt der Thermen. Auf dem ältesten Säckinger Siegel ist ein „Siechenmann“ zu sehen, ein kranker Wanderer mit Krückstock und Trinkschale als Hinweis auf die alte Tradition des Säckinger Thermalbades. Zwei Quellen speisen bis heute das Heilwasser, mit dem sich schon im Mittalalter Gäste und Bürger „im Bade an Leib und Seele“ Gutes taten. Was sich über die Jahrhunderte fortsetzte, ist mit modernen balneologischen und medizinischen Methoden weiterentwickelt worden. Das 34 Grad warme Natrium-Chlorid-Heilwasser verschafft Linderung bei Bewegungsleiden und mangelnder Durchblutung, bei Rheuma und Lymphgefäßerkrankungen. Bad Säckingen ist sich des Wassers seiner Quellen und des hier sanft dahinfließenden Rheins sehr bewusst und weiß auch von der bisweilen zerstörenden Kraft, die sich hinter der Idylle verbirgt. Unter der Holzbrücke zeit eine Skala verheerende Hochwasser an, der letzte Eintrag stammt vom August 2007. Die gewaltige, nach idyllischen Phasen immer wiederkehrende Kraft des Wassers, wird seit den 1960er Jahren durch das Rheinkraftwerk genutzt.

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Ein letzter, vielleicht schönster Blick noch von einer Anhöhe, von der schattigen Terrasse des Teehauses im prächtig bepflanzten Schlosspark, hinunter auf den jungen, so arglos wirkenden Rhein und die schöne, standhafte Holzbrücke, die längst auf sicheren Betonpfeilern ruht. So endet diese Reisestrecke am Oberrhein, am Saum des südlichen Schwarzwalds, eine Strecke zwischen dem Gestern und dem Heute.

Autor: Peter Frömmig


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