„Die schönste Zeit meines Lebens“

Die Schwarzwald-Kommune Königsfeld hält das Werk und Wirken ihres Ehrenbürgers Albert Schweitzer aufrecht

Im oberelsässischen Kaysersberg wurde Albert Schweitzer geboren. Seine Jugend verbrachte der Theologe und Philosoph, Arzt und Organist, Friedensaktivist und Atomgegner Albert Schweitzer im benachbarten Günsbach. Lambarene, das Dschungel-Hospital in Gabun, damals Französisch-Äquatorialafrika, machte ihn zum weltweit verehrten Urwalddoktor. Die erst 1806 durch die Herrnhuter Brüdergemeine gegründete Kommune Königsfeld im Südschwarzwald, der ihre Jugendstilvillen einen eigenständigen Charme verleihen, war 34 Jahre lang, von 1923 bis 1957, Wohnsitz der Familie Schweitzer. Für Albert Schweitzer war es sein Refugium, in das er sich flüchtete, wenn er den Strapazen von Lambarene nicht mehr standhielt. Im März 1965 schrieb er in einem Brief, der im Schweitzer-Archiv zu Königsfeld einzusehen ist: „Die Zeit in Königsfeld war die schönste meines Lebens: In Königsfeld konnte ich ruhig arbeiten, hatte eine Orgel, konnte im Wald gehen, hatte viele Freunde.“ Den Weg in den Südschwarzwald ebnete seine Frau Helene. Als sich nach Ende des ersten Weltkrieges herausstellte, dass sie ihrem Mann wegen eines Lungenleidens kaum noch nach Afrika folgen konnte, empfahlen ihr die Ärzte, in einem Luftkurort zu leben. Sie entschied sich für Königsfeld, das sie bei einem Kuraufenthalt schätzen gelernt hatte.

Eine Wahl, die Albert Schweitzer auch wegen des bemerkenswerten geistigen Klimas in der Herrnhuter- Kommune mittrug: „Ich wollte, dass meine Tochter in der Atmosphäre der Brüdergemeine aufwachse“. So wurde 1923 das Haus in Königsfeld gebaut, das die Gemeinde – nach Jahrzehnten des Leerstandes und unterschiedlicher Nutzungen – von 2001 an zum „Zentrum für Information und Kommunikation“ machte, das tiefen Einblick in die Welt des Albert Schweitzer gewährt. Im vergangenen Jahr wurde das Schweitzer-Haus zehn Jahre alt, für Königsfeld das Signal, sich selbstbewusst als Albert Schweitzers Familienwohnsitz in Szene zu setzen. Dazu beigetragen hat auch der „Internationale Albert-Schweitzer-Preis“, der 2011 erstmals verliehen wurde. Fritz Link, dem ebenso Schweitzer-Kundigen wie begeisterten Bürgermeister Königsfelds, ist es dabei auf Anhieb gelungen, die renommierte „Association internationale pour l‘OEuvre du Docteur Albert Schweitzer de Lambarene“ (AISL) sowie dreizehn weitere nationale und internationale Albert- Schweitzer-Gesellschaften und -Stiftungen aus der ganzen Welt mit ins Boot zu holen. Gemeinsam wird man zukünftig entscheiden, wer den mit 10.000 Euro dotierten Preis „für ein herausragendes humanistisches Engagement im Sinne Albert Schweitzers“ erhält.

I n f o s :
Albert Schweitzer-Haus, Schrambergerstraße 5, 78126 Königsfeld im Schwarzwald
Geöffnet: Fr./Sa. von 14-17 Uhr,
Sonn- und Feiertag 11-17 Uhr sowie nach Vereinbarung.
www.albertschweitzerhaus.de, www.koenigsfeld.de


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