Vom Schwarzwald zum Kaiserstuhl

Durch die Flusstäler von Elz, Wildgutach, Glotter - von Cornelia Frenkel

In 1038 Meter Höhe des Schwarzwalds, südlich des Rohrhardsbergs, entspringt die Elz; sie fließt zunächst im Prechtal und dann durch das Elztal. An dessen Ende erhebt sich der Kandel (1243), er überragt die Gegend und bietet einen Rundumblick bis zu den Vogesen. Den Fluss säumen alte Höfe und Burgruinen (Kastelburg, Hochburg, Ruine Keppenbach) sowie liebreizende Städtchen, etwa Elzach (mit Wasserkraftwerk), Gutach, Kollnau und Waldkirch. Fast jeder Ort verfügt über ein kleines Museum. Zwischen Bleibach und Gutach öffnet sich ein Seitental nach Simonswald, hier lässt sich, entlang der Wildgutach, ein nostalgischer „Mühlenwanderweg“ einschlagen. Darüber hinaus existieren indes viele moderne Möglichkeiten der sportlichen und naturbezogenen Betätigung, vom Wandern über Baden und Golfen, bis hin zur Kräuterkunde. Zudem werden geführte Touren angeboten, etwa mit dem urigen Barfußguide Sigi Wernet, der, meist ohne Schuhwerk, über die höchsten Berge rund um Yach begleitet (www.rohrhardsberg- life.de); oder mit dem Musiker Reiner Kirsten aus Elzach-Oberprechtal, seit Kindesbeinen ortskundig. Wege, ob nun zu Fuß oder mit dem Mountainbike, lassen sich in alle Richtungen einschlagen. Doch welchen Ausgangspunkt wählen, und soll es eine Tagestour sein oder darf es länger dauern? Auf dem so genannten „Zweitälersteig“, einem neuerdings lückenlos ausgeschilderten Wanderweg, lässt sich das „ZweiTälerLand“ mehrere Tage am Stück begehen – bergauf, bergab und auf Höhenwegen, etwa vorbei an der bizarren Steinformation „Siebenfelsen“, durch Wälder und Wiesen.

Waldkirch im Elztal
Zunächst auf den sagenumwobenen Hörnleberg mit Kapelle pilgern oder eine Tagestour nach Waldkirch unternehmen? Das dortige Elztalmuseum beherbergt eine weltweit einmalige Sammlung von Drehorgeln; seit über zwei Jahrhunderten hat sich in Waldkirch ein diesbezügliches Know-how entwickelt, samt erstaunlicher Werkstätten.

Klosteranlage Tennenbach und Emmendingen
Einen Abzweig wert sind Freiamt und die baulichen Reste der Klosteranlage Tennenbach. Von dort aus gelangt man zu Fuß durch den Binzgenwald – oder über die Landstraße − nach Emmendingen; hier fl ießen Elz und Bretten zusammen. Im alten Emmendinger Rathaus befindet sich das „Tagebucharchiv“; bedeutend sind zudem das „Photomuseum Hirsmüller“, das „Jüdische Museum“ sowie der „Literarische Salon“ im Markgrafenschloss, der Werke von Literaten zeigt, die einst zu Gast waren bei Johann Georg und Cornelia Schlosser, geborene Goethe. Ausführliche Information vor Ort.

Am Fuß des Schwarzwalds. Teningen – Gedenkstätte „Villa Rebay“
In Emmendingen sind wir bereits am Fuß des Naturparks Südschwarzwalds, den die Elz begrenzt; wenige Kilometer entfernt liegt, auf der anderen Uferseite, Teningen. Gleich neben einer Brücke befindet sich die Gedenkstätte „Villa Rebay“; Hilla von Rebay wohnte hier seit 1919 mit ihren Eltern. 1927 ging die Kunstengagierte nach New York und baute dort das Museum Guggenheim mit auf. In Teningen ist sie begraben, in der „Villa Rebay“ wird ihr Leben mittels Briefen, Werken und persönlichen Gegenständen dokumentiert.

Nördlicher Kaiserstuhl. Riegel – Kunsthalle Messmer
Teningen liegt unweit von Riegel, wo die Elz, nach rund 60 Kilometern und über 800 Metern Höhenunterschied, den Kaiserstuhl erreicht. Direkt vor der Riegeler Brauerei fl ießen ihr Glotter, Dreisam und Alte Dreisam zu; über den Leopoldskanal gelangt das Elzwasser dann in den Rhein. In der denkmalgeschützten Riegeler Brauerei befindet sich die Kunsthalle „messmerfoundation“, mit Café und Freiterrasse. Riegel, ehemals römisches Militärlager, bietet einen Pfad zu entsprechenden Ausgrabungen, und sein Archäologisches Museum zeigt rund 300 Funde.

Kaiserstuhl. Weinbaugebiet und Naturgarten
Der Kaiserstuhl ist ebenfalls ein ideales Wanderziel und bildet einen Kontrast zum Schwarzwald; wie eine Insel ragt das kleine Gebirge aus der Oberrheinischen Ebene – rund 16 Kilometer lang und 13 breit. Rebterrassen und vereinzelt Wald charakterisieren diese wärmste Gegend Deutschlands. Sie ist von Löß bedeckt, einem feinen, kalkreichen gelben Sediment, das in der Eiszeit angeweht wurde. Weil die Bodentemperaturen hier mitunter 65 Grad Celsius erreichen, konnten sich mediterrane Pflanzen und Tiere ansiedeln; z.B. über zwanzig Orchideen-Arten sowie die Smaragdeidechse und der Feuersalamander. Der vulkanische Boden verleiht dem Wein eine besondere Note. Jährlich suchen hier Zehntausende Erholung, beim Wandern, Essen, Trinken und Bestaunen zahlloser Besonderheiten: darunter etwa die verschiedenen Lößhohlwege und das Liliental (Arboretum und Gebiet für Pflanzenkultur) bei Ihringen sowie der „Samengarten“ in Eichstetten (www.kaiserstuhl.cc). Zusätzliche Anziehungskraft geht von einem hochkarätigen Kulturangebot in der nächsten Umgebung aus, dem Dreiländereck, mit Colmar und Basel.

B u c h t i p p s :
- Vom Schwarzwald zum Kaiserstuhl. Eine Bilderreise entlang der Elz. Fotografiert von Peter
Thomann. D-F-E. G. Braun Buchverlag. Karlsruhe 2010
- Natur erleben. Erlebnisführer Naturlandschaften. Baden-Württemberg. Klartext-Verlag.
Essen 2011.


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