Eine Naturoase mitten im Bodensee Besuch der Blumeninsel Mainau

Im nordwestlichen Teil des Bodensees, genannt Überlinger See, befindet sich die Insel Mainau auf einem Molassekalkfelsen. Mit ihren etwa 45 Hektar Fläche und einem Umfang von drei Kilometern ist sie die drittgrößte der Inseln im Bodensee. Ihre Nord-Süd-Ausdehnung beträgt 610 Meter, ihre größte Breite von Ost nach West etwa 1050 Meter. Die gerne als Blumeninsel bezeichnete Mainau, bekannt durch ihre herrlichen Park- und Gartenanlagen, befindet sich seit dem Jahr 1974 im Besitz der von Graf Lennart Bernadotte gegründeten gemeinnützigen „Lennart-Bernadotte-Stiftung. Nur so konnte für ihren Erhalt, ihr Gedeihen gesorgt und ihr weiteres Ergehen in der Zukunft gesichert werden. Die gräfliche Familie hat bis heute ihren Sitz in dem prächtigen Barockschloss. Von der übrigen Einwohnerzahl her wäre die Insel gerade einmal ein Weiler.

Insel Mainau (© Insel Mainau/ Peter Allgaier)

Insel Mainau (© Insel Mainau/ Peter Allgaier)

Die autofreie Insel ist vom Südufer des Überlinger Sees über eine Fußgängerbrücke zu erreichen und besitzt eine eigene Schiffsanlegestelle, den Mainau-Hafen. Der gegenüberliegende Ort auf dem Festland heißt Litzelstetten und ist ein Stadtteil von Konstanz, gut zu erreichen mit Bahn oder Bus, wenn man öffentliche Verkehrsmittel dem PKW vorzieht. Weitere, in der Nähe liegende größere Städte sind Meersburg und Überlingen. Ausflugsschiffe führen über verschiedene Routen zur Anlegestelle am Nordufer, neben dem Brückenzugang der zweite Eingang zur Insel. Der 2004 verstorbene Graf Lennnart Bernadotte beschrieb das begehrte Ausflugsziel, das er sein „Blumenschiff“ nannte, in Bezug auf die erforderlichen Eintrittsgelder mit folgenden Worten: „Sie ist eine kokette kleine Dame, diese Mainau, die stets und ständig große Aufmerksamkeit fordert, noch mehr Liebe und vor allem unaufhörlich neue Kleider.“ Er meinte den jährlich neuen, von Gärtnerhand gewebten Blütenüberwurf.

Was die Insel Mainau zu einem floralen Paradies macht, ist nicht zuletzt dem günstigen Bodenseeklima zu verdanken. Im Schlosspark gedeihen Palmen und andere mediterrane Pflanzen. Es ist die überaus reiche subtropische und auch tropische Vegetation, die der Mainau den Beinamen „Blumeninsel im Bodensee“ eingebracht hat. Die Blumen und Gewächse, die hier blühen, lassen sich nicht aufzählen. Alleine in der Übergangszeit von Mai und Juni zeigen sich Blüten von 200 Rhododendren- und Azaleenarten. Dazu die 500 verschiedenen Rosensorten alleine im sogenannten italienischen Rosengarten; betörende Düfte schweben dort in der Luft. Der Rosengarten wurde Mitte des 19. Jahrhunderts von Großherzog Friedrich angelegt, so auch das parkähnliche Arboretum, das als Herzstück der Insel gilt. Der Großherzog hat den Anstoß zu dem gegeben, was sich bis heute in aller Prächtigkeit auf der kleinen Insel fortsetzt.

Auftakt ins Blumenjahr 2017 ist von Anfang März bis Anfang Mai auf Schloss Mainau die Ausstellung „Frühlingserwachen“. Und so geht es weiter durch die Jahreszeiten: mit der Orchideenschau von Ende März bis Anfang Mai im Palmenhaus, der Tulpen und Frühjahrblüte in den Wiesen an der Südflanke der Insel, der Rosenblüte von Juni bis September, der Dahlienblüte mit ihrem Feuerwerk an Farben von Ende August bis Oktober und schließlich die Winterausstellung, die von Mitte November 2017 bis Anfang Februar 2018 in den Ausstellungsräumen des Barockschlosses ihren winterlichen Zauber entfaltet. Nicht zu vergessen die gärtnerischen Fachführungen durch den Park und die Gewächshäuser. Regelmäßig werden auf der Insel auch Konzerte und Ausstellungen veranstaltet.

Auffallend sind die vielen, über den Park verteilten Stahlskulpturen. Es sind sogenannte „Schattenskulpturen“ aus schwarzen Stahlplatten, die wie überdimensionale Scherenschnitte wirken und bewegte weibliche Figuren darstellen. Eine Barocktreppe leitet hinauf zur Schlossterrasse, von der man eine schöne Aussicht hat. Der Weg durch die Frühlingsallee führt zu den Mediterran-Terrassen mit ihren exotischen Kübelpflanzen, wo sich ein Panorama auf die Bodenseelandschaft und die Alpen auftut. Im Sommer gedeihen hier Palmengewäche, Agaven, Kakteen und Bougainvilleen. Im Juli blühen über die Mainau verteilt Engelstrompeten und Hibiskus, im August die Passionsblumen. Aber nicht nur für den sinnlichen Genuss der Erwachsenen wird auf der Insel gesorgt, besonders wird auch an die Kinder gedacht. Das Mainauer Kinderland „Wasserwelt“ ist ein rund 1100 Quadratmeter großer Spielplatz mit einem 60 Zentimeter tiefen, von schweren Flusssteinen eingefassten Wasserbecken. Und sinnigerweise liegt in der Mitte des kleinen, künstlichen Sees wiederum eine Insel. Über das Wasser können die Kinder mit Flößen herumfahren oder sich mit einer Holzfähre hinüberziehen. Rundherum stehen Holzhäuser als Klettergerüste, die im Sinne der Erbauer an die Pfahlbauten am Bodensee erinnern sollen.

Fixpunkte in jedem Jahr sind auch die Feste. Beginnend mit dem Internationalen Bodensee-Trachtentag am 23. April, zu dem rund 2.000 Trachtenträger aus Deutschland, Österreich und der Schweiz anreisen werden, um die Vielfalt des Trachtenwesens zu präsentieren. Fürs weitere bunte Programm sorgen Tanzgruppen, Musiker, Glockenspieler und Mundartdichter. Das Gräfliche Inselfest findet über vier Tage, vom 25. bis 28. Mai statt. Da heißt es: „Bummeln. Einkaufen. Genießen“. Über 80 Aussteller bieten ein großes Angebot und Beratung für den Gartenliebhaber. Mit dem Mittsommerfest am 24. Juni wird an die schwedischen Wurzeln der Familie Bernadotte erinnert und die Lebensfreude unserer Nachbarn im hohen Norden gefeiert. Das Gräfliche Schlossfest vom 29. September bis 3. Oktober steht unter dem Motto „Noblesse Oblige“.

Auch zum bloßen Einkehren oder zum Schlemmern bietet sich ein weitgefächertes Angebot, für jeden Geldbeutel und Gaumen etwas. Vom gehobenen Restaurant Comturey zum Würstle-Grill, vom Biergarten am Hafen bis zum Schmetterlingsbistro, vom Schlosscafé bis zum Café Vergissmeinnicht, vom Mainau Träff bis zu den Rothaus-Seeterassen. Und ob man nun durch den Park, durch die lichte Metasequoia-Alleee mit ihren Riesenmammutbäumen oder durch das Arboretum, reich an seltenen Nadelhözern, spaziert, allerorts schimmert das glitzernde Wasser durchs Laub, immer ist der See gegenwärtig. Man kann sich hier auf allen Wegen führen oder verführen lassen.

Die kleine, überschaubare und doch in ihrem Angebot so vielfältige Insel Mainau, die für alle Sinne etwas zu bieten hat, ist ganzjährig für den Besucher offen. Park und Garten sind immer von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang geöffnet. Man bleibt auch dabei im Rhythmus der Natur.

Peter Frömmig

Infos:
Mainau GmbH, 78465 Insel Mainau, Tel.: 07531/3030
www.mainau.de