Handelsverbindungen zwischen Hochrhein und Donauoberlauf Im Gespräch: Historiker Roland Weis

Der Historiker Roland Weis (*1958) schreibt Sachbücher und Krimis, in beiden Fällen setzt er sich mit der Geschichte des Schwarzwalds auseinander, in welcher der Autor außerordentlich bewandert ist, nicht zuletzt weil er hier geboren ist. Kürzlich hat er die Recherche „Der Hotzenweg“ veröffentlicht, so nennt sich eine Verbindung zwischen dem Oberlauf der Donau und dem Hochrhein, die es bereits in vorchristlichen Zeiten gegeben haben soll. Roland Weis rekonstruiert diesen Wegverlauf durch den Südschwarzwald von Bad Säckingen bis Villingen mithilfe archäologischer Befunde und der Morphologie des Geländes sowie anhand von Ortsbezeichnungen. In 21 Etappen legt er den rund 100 Kilometer umfassenden „Hotzenweg“ dar, den er selbstverständlich auch zu Fuß abgegangen ist. Detaillierte Streckenkarten laden den Leser ein, diese spannende Tour selbst zu erkunden; Krimis wie „Raubritterblut“ oder „Bierleichen“ im Gepäck können dabei nicht schaden. Unsere Mitarbeiterin Cornelia Frenkel hat den Autor befragt.

Historiker Roland Weis

Historiker Roland Weis

Schwarzwaldimpressionen: Sie haben ein Buch geschrieben, das uns den sogenannten „Hotzenweg“ nahebringt, was war dabei Ihre Arbeitshypothese?

Roland Weis: Ich bin davon ausgegangen, dass es eine Wegverbindung zwischen Hochrhein und Donauoberlauf bereits in vorchristlichen Zeiten gegeben haben muss. Das Donauquellgebiet gilt als Kern- und Ursprungsland der Kelten, keltische Siedlungsplätze sind am Hochrhein nachgewiesen. Was liegt da näher, als auch Handelsverbindungen zwischen beiden Regionen anzunehmen? Und wo regelmäßiger Handel stattfindet, da muss es auch sichere Wege gegeben haben. Eine möglichst kurze Wegverbindung von dem einen schiffbaren Fluss zum anderen schiffbaren Fluss ist da mehr als wahrscheinlich.

Schwarzwaldimpressionen: Sie greifen auf alle wissenschaftlichen Mittel zurück, die heute zur Verfügung stehen –  müssen Sie trotzdem in puncto „Hotzenweg“ etwas offen lassen?

Roland Weis: Selbstverständlich bleibt mein „Hotzenweg“ eine Theorie. Es gibt für ihn lediglich den Indizienbeweis. Aber das Gewicht dieser Indizien ist erdrückend. Vor allem sind es zahlreiche Namensbelege in Flur-, Gewann-, Orts-, Berg- und Gewässernamen. Wir treffen auf ein ganzes Arsenal von Heiden-Namen in allen Schreibweisen, wie etwa Heidenmatte, Heidenschmiede, Haidenacker, Heidentritt etc.; Desweiteren sind links und rechts der vermuteten Wegtrassen auffällige Häufungen von Namen mit den Silben Hun-, Hün-, Huin- und Hen, die alle auf das vorgeschichtliche Volk der Hünen/Heunen weisen. Auch in Landschaftsmarken, deren Namen mit Stock-, Eck-, Stein- oder Kreuz zusammengesetzt sind, verbergen sich frühgeschichtliche Wegweiser und Richtungsanzeiger. Ebenso in vielen Rot-, Reut-, und Rut-Namen, denn sie gehen auf die indogermanische Wortwurzel roidh = Weg zurück, die sich heute noch im Französischen als route und im Englischen als Road erhalten hat.
Daneben gibt es auch einige erschlagende archäologische Befunde, zumindest vom Hochrhein bis in den südlichen Hotzenwald bei Rickenbach/Hottingen. Hier konnte überall der Nachweis steinzeitlicher Siedlungs- und Lagerstätten erbracht werden. Rätselhafte Steinbauten im Schluchseeraum und zwischen Kirnbergsee und Bregtal ergänzen das Bild.

Schwarzwaldimpressionen: Alte Wegzüge haben sich unmerklich an vielen Stellen der Landschaft gut erhalten, wie kann auch der Laie entsprechende Spuren aufspüren?

Roland Weis: Ein nicht zu unterschätzendes Hilfsmittel ist der eigene Verstand. Man stelle sich die Frage: Wie würde ich gehen, wenn ich von hier nach dort wollte? Oft liegt die Lösung – und damit die Trasse – auf der Hand. Hier schlummern Instinkte, über die der frühzeitliche Naturmensch sicher ganz ausgeprägt verfügte. Häufig haben sich auch noch tiefe Hohlwege an steilen Anstiegen erhalten. Die findet man oft noch, speziell im bewaldeten Gelände. Wo über Generationen hinweg Feld- und Ackerbau betrieben wurde, sind die Spuren meist durch die Bewirtschaftung verschliffen. Manchmal weisen aber auch Felder und Äcker auffällige Terrassierungen oder Rampen auf. Da die historischen Wege vorzugsweise in Kammlagen verliefen, Niederungen mieden und die kürzeste Verbindung von A nach B suchten, ergeben sich viele Wegführungen auch zwangsläufig aus der Topografie des Geländes.

Schwarzwaldimpressionen: Mit „Der Hotzenweg“ legen Sie ein sachorientiertes Geschichtsbuch vor, Sie haben aber zudem nervenkitzelnde Thriller wie „Raubritterblut“ und „Bierleichen“ geschrieben. Was hat Sie zu diesen motiviert?

Roland Weis: Krimischreiben ist für mich Ausgleichsport. Da kann man ein bisschen die Fantasie galoppieren lassen und muss nicht immer jeden Satz tausendmal absichern. Ich bin ja Historiker und habe in den vergangenen 20 Jahren etliche Untersuchungen zur Regionalgeschichte des Hochschwarzwaldes vorgelegt. Unter anderem das 500seitige Standardwerk „Der Hochschwarzwald – von der Eiszeit bis heute“. Aus diesem Fundus schöpfe ich, wenn ich in die Krimis historische Geschehnisse einflechte. Dabei lege ich Wert auf Authentizität. Nichts von dem, was ich aus der Vergangenheit in meine Krimis einbaue, ist erfunden.

Schwarzwaldimpressionen: Inwiefern dürfen Sie sich als „Erfinder“ des Schwarzwaldkrimis verstehen und Ihre Krimis – gewiss auch ironisch gemeint – mit dem Label „Das Original“ versehen?

Roland Weis: Da muss ich ein bisschen ausholen: 1997 gab es noch keine Schwarzwaldkrimis, aber bereits die ersten Freiburg-Krimis im Sternwald-Verlag. Ich habe damals beim Radio gearbeitet und hatte den Verleger Hans-Albert Stechl als Studiogast in meiner Sendung. Ich habe ihn dann gefragt, warum es nur Freiburg-Krimis gibt und keine Regio-Krimis, und er antwortete, er habe eigentlich Schwarzwald-Krimis geplant, aber keine Autoren aus dem Schwarzwald gefunden. Daraufhin habe ich live in der Sendung erklärt, es könne ja nicht so schwierig sein, einen Schwarzwaldkrimi zu schreiben. Ich selbst würde mir das jederzeit zutrauen und ich stammte ja aus dem Hochschwarzwald. Wir haben dann in der laufenden Sendung eine entsprechende Wette abgeschlossen, und ein halbes Jahr später habe ich meinen ersten Schwarzwaldkrimi „Der Güllelochmord“ vorgelegt. Zum damaligen Zeitpunkt gab es weit und breit keinen anderen Verlag, der Schwarzwaldkrimis im Angebot hatte. Erst ab 2002 kamen dann welche auf die Idee. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich aber schon meinen zweiten Schwarzwaldkrimi veröffentlicht. Als ich jetzt im vergangenen Sommer mit meiner Krimireihe zum Rombach-Verlag gewechselt habe, hat man dort dann ein bisschen augenzwinkernd aus dieser Geschichte das Prädikat „das Original“ abgeleitet.

 

Roland Weis.

„Der Hotzenweg.
Eine frühgeschichtliche Route vom
Hochrhein ins Donaugebiet“.
Zahlreiche Abbildungen.
Rombach Verlag 2016.

„Bierleichen“. Ein Kriminalroman. Rombach 2016.  

„Raubritterblut“. Ein Kriminalroman. Rombach 2016.

www.roland-weis.de